Geschichte(n)

Alle Gebäude am "Platzl" haben ihre eigene Geschichte und ihre Geschichten. So wird etwa berichtet, dass in der alten Münze, in der ab 1620/21 fast 200 Jahre lang die bayerischen Gulden und Kreuzer geprägt wurden, die erste Dampfmaschine Bayerns stand. Dies war im Jahr 1803. Jahre später wurde angezweifelt, ob sie je funktioniert habe. Ein richtiger Dampfmaschinenstreit entbrannte.

Katasteramt, Bockbierkeller und Hofbrunnenhaus

Nach dem Auszug der Münze diente der Gebäudekomplex zunächst dem Katasteramt, dann zum Ausschank des Maibocks. Lustig muss es zugegangen sein im Bockbierkeller - so berichten übereinstimmend die literarischen Zeugnisse. Daneben errichtete man im 19. Jahrhundert ein neues Hofbrunnenhaus, dessen Turm noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg stand, auch wenn das Wasser längst nicht mehr von dort in die öffentlichen Wasserleitungen gepumpt wurde. Ein Teil der alten Münzgebäude brach man im 19. Jahrhundert ab. Schließlich wurde das Gelände in drei Bauplätze für Wohn- und Geschäftshäuser aufgeteilt.

1. Gastronomie am Münchner Platzl

Und dort zog zunächst das noble "Grand Restaurant" ein, aus dem wenige Jahre später das berühmte "Platzl" werden sollte. Dort stand am 21. März 1906 Hans Straßmaier zum ersten Mal mit seinen "Original Dachauern" auf der Bühne. Der Erfolg war enorm. Aus dem Grand Restaurant wurde die weltberühmte Bauernbühne. Namen wie Sepp Ehringer, Michl Lang, Erni Singerl, Ludwig Schmid-Wildy, Bally Prell - um nur einige wenige zu nennen - und natürlich der unvergessene Weiß Ferdl, der dem Platzl wie kein zweiter seinen Stempel aufdrückte, sind bis heute unvergessen.

Die Pfistermühle der Hofpfisterei - einzig erhaltene Münchner Stadtmühle

Neben der Münze stand seit 1578/79 die Hofpfisterei am Pfisterbach, der damals noch offen durch die spätere Sparkassenstraße floss (diese wurde erst im 20. Jahrhundert durch Überbauung des Baches geschaffen). Das Wasser des Pfisterbaches betrieb die Mühlen der Pfisterei (von lateinisch "pistor" = Bäcker), in der nicht nur das Mehl für den Hofbedarf gemahlen wurde, sondern auch die Semmeln und Brezen für die hohen Herrschaften und ihren Hofstaat gebacken wurden.

Da der Pfistermeister seine Backwaren aber auch an bürgerliche Käufer abgab, und dies sogar noch unter dem Preis der bürgerlichen Bäcker, war Ärger natürlich vorprogrammiert. Die alte Pfistermühle steht heute noch - übrigens als einzige der einst 28 Münchner Stadtmühlen - wenngleich etwas verändert. Die Hofpfisterei hat allerdings ihre Produktion 1964 verlegt. Danach ist in die Pfistermühle ein Restaurant für gehobene Ansprüche der bayerischen Küche eingezogen.